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BG-Kampagne gegen Latexallergien erfolgreich

Präventionserfolg für die Latexkampagne der BGt für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege: Die Kampagne führte zu einem Umdenken beim Gebrauch von Latexhandschuhen und damit zu einem deutlichen Rückgang der gemeldeten Latexerkrankungen. Innerhalb von sechs Jahren konnte die Zahl der Latexallergien um mehr als 80 Prozent reduziert werden. Im Jahr 2003 wurden der BGW nur noch 228 Latexallergien gemeldet 1.262 Fällen waren es noch im Jahr 1998 gewesen.

Mitte der neunziger Jahre stieg die Zahl der Latexallergien insbesondere im Gesundheitswesen kontinuierlich an. Einen Höchststand verzeichnete die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) im Jahr 1998 mit 1.262 gemeldeten Erkrankungen. Ursache für die Zunahme der Latexallergien bei medizinischem Personal war der erhöhte Verbrauch von gepuderten Latexhandschuhen zum Schutz gegen blutübertragene Virusinfektionen wie HIV und Hepatitis. Ausgelöst wird die Latexallergie zwar durch den in den Handschuhen verarbeiteten Naturlatex. Vermittelt wird sie jedoch durch den Handschuhpuder, der verwendet wurde, um ein Zusammenkleben zu vermeiden. Die im Handschuh verarbeiteten Latexproteine verbinden sich mit dem Puder. Beim An- und Ausziehen der Handschuhe wird der Latexpuderstaub in die Luft gewirbelt und in der Umgebung verbreitet. Durch Einatmen der Latexallergene kommt es zu einer schnellen Sensibilisierung gegen Latex und allergischen Erkrankungen der Haut (Berufskrankheit-Nr. 5101) oder der Atemwege (Berufskrankheit-Nr. 4301); in schweren Fällen droht den Betroffenen die Berufsunfähigkeit.

Präventionsaktivitäten
Die BGW führte 1997 und 1998 eine bundesweite Präventionskampagne durch. Ziel dieser Kampagne war es, über die Risiken einer Latexallergie durch gepuderte Handschuhe aufzuklären und zu bewirken, dass gepuderte durch ungepuderte Latexhandschuhe ersetzt werden. Die Präventionskampagne umfasste neben bundesweiten Informationsveranstaltungen in Krankenhäusern zahlreiche weitere Aufklärungsmaßnahmen. Dazu gehörten eine Latex-Informationsmappe, Produktlisten von latexfreien und ungepuderten Handschuhen sowie Handschuhpläne mit Empfehlungen, welche Handschuhe bei welchen Tätigkeiten verwendet werden sollten. Begleitet wurde die Latexkampagne von nationalen und internationalen Forschungsaktivitäten, an denen auch das Berufsgenossenschaftliche Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin (BGFA) beteiligt war.

Die zahlreichen Präventionsaktivitäten in Sachen Latexallergie führten auch dazu, dass Naturlatex mittlerweile zu einer der am meisten untersuchten beruflichen Allergenquellen geworden ist. So zeigte eine Interventionsstudie der BGW, dass mit dem Austausch gepuderter Latexhandschuhe gegen ungepuderte ein Verbleib von Latexallergikern im Beruf erreicht werden kann. Seit 1998 gilt die rechtsverbindliche Austauschpflicht für gepuderte Latexhandschuhe. Die TRGS 540 schreibt vor: "Gepuderte Naturlatexhandschuhe sind durch puderfreie und allergenarme Latexhandschuhe oder andere geeignete Handschuhe zu ersetzen." Latexallergiker können in den meisten Fällen beschwerdefrei in ihrem Beruf arbeiten, wenn sie den Kontakt mit Latex konsequent vermeiden. Dafür müssen sie selbst latexfreie Handschuhe verwenden - und der Arbeitgeber muss dafür sorgen, dass das Verbot der gepuderten Latexhandschuhe am Arbeitsplatz beachtet wird.

Ergebnisse und Nutzen
Die Ergebnisse der Latexkampagne überzeugen: Mit einem Bewusstseinswandel bei der Verwendung von Latexhandschuhen konnte ein deutlicher Rückgang der gemeldeten Latexallergien erzielt werden. Erste Erfolge zeigten sich bereits ein Jahr nach Durchführung der Latexkampagne. Die Zahl der gemeldeten Latexallergien ging um 30 Prozent von 1.262 Fällen im Jahr 1998 auf 845 Meldungen im Jahr 1999 zurück. Innerhalb von sechs Jahren konnte die Zahl der Latexallergien sogar um mehr als 80 Prozent reduziert werden. Im Jahr 2003 wurden der BGW nur noch 228 Latexallergien gemeldet. Die Weichen für diese Entwicklung hat die BGW mit ihrer Präventionskampagne gestellt.

Mit der Latexkampagne konnte die BGW im medizinischen Bereich ein Umdenken beim Gebrauch von Latexhandschuhen bewirken. So wurden 1998 erstmals mehr ungepuderte als gepuderte Handschuhe nachgefragt. 2002 waren nach Herstellerangaben knapp 90 Prozent der verkauften Untersuchungshandschuhe puderfrei. Die Industrie hat zügig auf die deutlich gestiegene Nachfrage nach puderfreien Handschuhen reagiert und ihre Produktlinien umgestellt - mit dem Ergebnis, dass inzwischen der Gebrauch ungepuderter Handschuhe mit keinen höheren Investitionen in den Arbeitsschutz verbunden ist.

Die Erfolge der Latexkampagne zeigen sich auch im Zusammenhang mit den BK-Anerkennungszahlen. Wurden im Jahr 1998 noch insgesamt 120 Latexerkrankungen als Berufskrankheiten anerkannt, so war es 2002 nur noch in 32 Fällen zwingend geboten, die gefährdende Tätigkeit aufgrund der Latexallergie aufzugeben.

Die Investitionen der BGW in die Latexkampagne haben sich mehr als gelohnt: Die Durchführung der Kampagne kostete die BGW rund 250.000 Euro. Ein geringer Betrag im Vergleich zu den Kosten, die die Beitragszahler für die Rehabilitation eines einzigen Latexallergikers aufbringen müssen - sie können bis zu 120.000 Euro betragen.


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